Medienecho

12.12.2015

Hochhauswand wird Spielwiese für Greifswalder Azubis

Ostsee Zeitung, 12. November 2015IGreifswald


Sie haben freie Hand: Junge Kreative dürfen 500 Quadratmeter Giebelfläche in Neubrandenburg gestalten / Lässt sich darauf die Relativitätstheorie erklären?

Greifswald. Schon von weitem sticht das Hochhaus in der Neubrandenburger Einsteinstraße mit seiner tristen, grauen Fassade ins Auge. Ein eher unansehnlicher Plattenbau. Noch.

Denn die etwa 500 Quadratmeter große Giebelwand soll von Schülern der Greifswalder Medien- und Informatikschule der Wirtschaftsakademie Nord nun ein neue Gestaltung bekommen.

Dass ausgerechnet die Greifswalder Schüler dieses Angebot bekamen, überraschte Gunther Schrader, Bereichsgeschäftsführer der Wirtschaftsakademie, als er vor etwa drei Monaten den Anruf der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft Neuwoba erhielt. Was er bis dahin nicht wusste: Die Marketingmitarbeiterin der Genossenschaft, Madlen Posorski, hat selbst eine Grafikausbildung an der Wirtschaftsakademie, damals noch in Anklam, abgeschlossen. Posorski ist sich sicher: 'An dieser Schule sind sehr viele kreative Köpfe.'

Insgesamt 16 Schüler des dritten Lehrjahres sollen ihre Ideen für die Giebelwand auf Papier bringen. Dabei stellt Stefanie Riech, künstlerische Leiterin der Wirtschaftsakademie, nur eine Bedingung:

'Sie sollen so kreativ wie möglich an die Aufgabe herangehen und sich vor allem auch ausprobieren. Es darf auch gern ein witziges Motiv sein.' Die Schüler, die sowohl im Team als auch einzeln Entwürfe anfertigen können, haben eine monatelange Planung hinter sich und haben sich mit Themen wie 'Städtebau oder auch Wissenschaft' beschäftigt, wie Riech sagt. Anfang November schauten sich die Schüler das Hochhaus in der Vier-Tore-Stadt genauer an. 'Sie haben die Umgebung erkundet und haben sogar mit einigen Anwohnern gesprochen, die begeistert waren, als sie von der Idee der Neugestaltung erfuhren', blickt Riech zurück.

'Es ist eine große Herausforderung für die Schüler, aber auch eine einmalige Gelegenheit.' Ähnlich sieht das auch Bereichsgeschäftsführer Schrader: 'Bei diesem Projekt können unsere Auszubildenden nicht nur ihre handwerklichen und fachlichen Fähigkeiten umsetzen, sondern lernen auch den Umgang mit Kunden, den sie im Berufsleben haben werden.'

Um diese einmalige Chance wissen auch die Schüler: 'Das Besondere ist, dass es sich hierbei nicht um ein temporäres Projekt handelt. Es bleibt über Jahre bestehen', betont Nathanal Dehn, der neben der Ausbildung schon jetzt als Grafikdesigner tätig ist. Da die Straße, in dem das elfstöckige Hochhaus steht, nach Albert Einstein benannt ist, hat sich der 23-jährige Auszubildende auch mit dem weltbekannten theoretischen Physiker beschäftigt. 'Ich hatte überlegt, ob und wie ich die Relativitätstheorie per Schriftgestaltung auf das Gebäude bringen könnte. Allerdings ist das gar nicht so einfach, wenn man diese auch erklären möchte', sagt Nathanal, der zusammen mit seiner Gruppe an verschiedenen Entwürfen arbeitet.

Die 18-jährige Patricia Mähl beschäftigt sich mit floralen Motiven, die in Richtung Eberesche gehen sollen, wie sie sagt. Mehr will sie allerdings noch nicht verraten. An diesem Projekt begeistert sie vor allem eines: 'Dass wir keine konkreten Vorgaben hatten. Das Einzige, worauf wir achten sollten, war, dass die goldenen Akzente der Hochhausvorderseite in unsere Motive einfließen.'

Am kommenden Donnerstag werden mindestens 16 Entwürfe von den Schülern ins Rennen geschickt und Vertretern der Wohnungsbaugenossenschaft präsentiert. Eines weiß Stefanie Riech schon jetzt: 'Sie werden es schwer haben, sich für einen Entwurf zu entscheiden.'