Medienecho

28.01.2015

Mit Plakaten gegen den Welthunger

Ostsee-Zeitung, 28. Januar 2015|Greifswald


Angehende Grafikdesigner der Wirtschafsakademie Greifswald präsentieren ihre Projekte. Noch bis Freitag sind die Arbeiten in der Stadt zu sehen.

805 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger. Das ergibt eine Schätzung des Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinigten Nation. Vor diesem Hintergrund haben sich 18 angehende Grafikdesigner der Greifswalder Wirtschaftsakademie Nord als Semesterprojekt Gedanken zum Weltproblem „Hunger“ gemacht. Ihre Darstellungen haben sie auf Plakaten festgehalten. Die besten acht Darstellungen sind seit gestern – unterstützt durch das städtische Kulturamt – auf den Litfaßsäulen am Nexö-Platz und am Ernst-Thälmann-Ring nahe des Humboldt-Gymnasium angebracht. Dort sind sie noch bis Freitag kommender Woche zu sehen. Schülerin Carla Katsch beschäftigt sich vorrangig mit der Politik einiger betroffener Länder. „Was wäre, wenn alle vom Hunger betroffenen Nationen ihre diesbezüglichen Rechte kennen und ausschöpfen würden?“ fragt die 18-Jährige. „Blutdiamant“ nennt Katsch ihre Grafik – passend zu dem Edelstein, mit diesem Verkauf bewaffnete Konflikte auf dem afrikanischen Kontinenten finanziert werden. Zudem lebt Afrika laut WFP ein Viertel der hungernden Menschen auf der Welt.

Gertrud Fahr leitet das fächerübergreifende Schulprojekt. „Die Teilnehmer haben ihre unterschiedlichsten Vorstellungen eingebracht. Manche beachten das Thema Bienensterben in Zusammenhang, andere machen auf den Zynismus im Umgang mit dem Welthunger aufmerksam“, sagt Fahr. Durch die Zurschaustellung könnten die Designschüler nun erleben, wie ihre erste Publikation in der Öffentlichkeit ankomme. „So können sie lernen, wie Botschaften am besten an den Mann gebracht werden“, erklärt Gunther Schrader; Bereichsgeschäftsführer der Wirtschafsakademie.

Die 17-Jährige Celeste Dworrak möchte mit einem von ihr gestalteten Mangamädchen andere Liebhabern dieses Genre wachrütteln. „Wenn andere Mangafans das sehen, beginnen sie sich vielleicht auch dafür zu interessieren“, erklärt die Schülerin. Durch das Semesterprojekt haben sie sich auch privat mit diesem Thema beschäftigt und neue Einblicke gewonnen.

Eine Studie des Meinungsforschungsinstitut Emnid in 2014 zeigt, dass die Mehrheit der deutschen Verbraucher ab 18 Jahren mindestens einmal im Monat noch verzehrbare Lebensmittel wegwirft. 37 Prozent der Befragten schätzen sogar, dass sie mindestens einmal in der Woche Essen entsorgen. „Warum tut man nichts gegen Hunger, warum lassen nur so wenige Menschen die Problematik an sich heran“, fragen und hinterfragen die Designer mit ihren öffentlichen ausgehängten Plakaten. Immerhin trage Unterernährung jährlich zum Tot von fast drei Millionen Kindern unter fünf Jahren bei, besage eine Untersuchung von Unicef. Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit, heißt es auf der Webseite des WFP. An Hunger ging jährlich mehr Menschen zugrunde als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Eine alternative Sichtweise zeigt Kevin Hackenbroich. Ein überdimensionaler Pacman, Figur des gleichnamigen Videospiels, liegt faul auf dem Rücken und sperrt sein Maul auf. “Pacman steht für den konsumverwöhnten Endverbraucher, der sich nur noch bedienen lässt, anstatt sich zu bewegen und selbst etwas zu bewegen“, erklärt der 22-Jährige und fügt ernst hinzu: „Das ist kein Spiel, sondern Realität.“

Clara Katsch (18)

„Sich mit dem Hunger zu beschäftigen, war zwar ernst, hat aber auch Spaß und viel Input gebracht.“

Conrad Otto (19)

„Erschreckend ist auch, dass durch Hunger weltweit mehr Menschen sterben als durch Waffen.“

Celeste Dworrak (17)

„Vorher wusste ich nicht viel über dieses Thema. Aber jetzt beschäftige ich mich umso mehr damit.“

Kevin Hackenbroich (22)

„Dieses Problem ist kein Spiel, es ist für viele Menschen Realität.“