Medienecho

16.01.2015

Neue Ideen im Kampf um Azubis

Ostsee-Zeitung, 16. Januar 2015|Greifswald


Erste Firmen bieten Berufserlebniscamps an. Aber auch die „Jobbex“ gibt´s weiter.

Sind Messen wie die „Jobbex“ noch der richtige Weg, um junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen? „Manche fragen uns schon, ob sich dieser Dinosaurier nicht langsam überlebt hat“, sagt Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur  Greifswald. Seit 15 Jahren organisiert seine Agentur zusammen mit Partnern diese Börse, um Unternehmer und Jugendliche zusammenzubringen. Die 16. folgt am 24.Januar: 50 Firmen, fast alle aus Vorpommern, werden die Sporthalle des Berufsbildungswerks (BBW) mit Ständen füllen – 100 Ausbildungsberufe präsentieren, vom Landwirtschaftsgärtnern über den Polizisten, Grafikdesigner, Altenpfleger bis zum Elektroniker – und Kontakte zu möglichen Bewerbern knüpfen. „Bisher kamen jedes Jahr rund 2000 Jugendliche“, sagt Heiko Miraß. Und immer mehr Unternehmen drängen auf die Jobbex. Beides seien Belege für den Erfolg. Wie viele Jugendliche bei den Börsen tatsächlich Kontakt  zu Betrieben knüpfen, weiß zwar keiner, „die werden nicht erkennungsdienstlich erfasst“, scherzt Miraß. Aber Unternehmen wie Jens Klingebiel  von der Volksbank Raiffeisenbank sagen: „Wir wissen aus Bewerbungsgesprächen, dass Leute durch die Jobbex auf uns aufmerksam werden.“

Und doch, Messen allein reichen offenbar nicht mehr aus im Wettbewerb um Azubis. Nach Angaben der Arbeitsagentur Greifswald kamen im vergangenen Jahr nur noch 1921 junge Leute auf 1634 ausgeschriebene Stellen für eine betriebliche Ausbildung. Erste Unternehmen veranstalten schon Berufserlebniscamps an der Ostsee, um Jugendliche für ihren Betrieb zu begeistern, erzählt Wolfgang Gerbitz, Geschäftsführer des BBW. So im vergangenen Sommer auf Rügen: Die Wirtschaftsakademie Nord und mehrere Firmen luden 20 Jugendliche ein, mit den Firmenchefs ein fünftägiges Feriencamp zu besuchen. Mit Floßbauen, Grillabenden, Sportstunden – und Ausflügen in die Betriebe. „Das war super, weil sich Chefs und potentielle Azubis ungezwungen kennen lernen konnten“, sagt Gerbitz. Dir Teilnehmer zahlten nur 20 Euro. „Solche Ideen brauchen wir“, meint auch Miraß. Die Berufsfindung sie für viele Jugendliche ein schwieriger Prozess, die Abbruchquote in den Ausbildungen nachher hoch. Fast ein Drittel alles Azubis in MV steige irgendwann aus oder um. „Alles, was hilft, den Jugendlichen einen Eindruck von dem zu vermitteln, was sie im  Betrieb erwartet, ist gut.“
Ein Berufserlebniscamp soll daher auch dieses Jahr geben vom 13. Bis 16. Juli in Lubmin. Die Wirtschaftsakademie Nord und mehrere Firmen finanzieren es, Jugendliche der 8. Und 9. Klasse können sich bewerben. Wer schon früher Tipps sucht, kann bei der „Winterakademie“ der Wirtschafsakademie Nord Workshops etwas zu Webdesign, Kunst aus Ton und andere Ausbildungsberufen besuchen.

Ist die Jobbex dagegen nicht dröge? Nur anders, meint Miraß. Sie bietet einen Überblick als ein Camp. „Und es gibt nicht nur Flyer“, sagt Jens Klingebiel. Auch Bewerbertrainings, eine Modenschau und Gespräche seien geplant. „Wir bringen immer Azubis mit.“ Wenn die Besucher in der Halle begeistert von ihrer Ausbildung zum Bankkaufmann erzählen, springe schon mal der Funke über.