Medienecho

22.10.2014

Neue Schule bildet Altenpfleger aus - Der Bedarf ist riesig. Im April soll schon die nächste Klasse an der Wirtschaftsakademie Nord starten.

Ostsee-Zeitung. 21. Oktober 2014l Greifswald


Greifswald – Fragt man kleine Kinder, was sie später einmal werden wollen, hört man die Antwort „Altenpfleger“ eher selten. Auch bei älteren Semestern steht das Berufsbild nicht unbedingt hoch im Kurs. Dabei sind die Chancen, eine Anstellung zu finden, enorm hoch. „1000 freie Stellen“, schätzt Gunther Schrader, Bereichsleiter in der Wirtschaftsakademie Nord (WAK), den Bedarf in Vorpommern in den kommenden drei bis fünf Jahren und schiebt nach: „Mindestens!“
Der Bedarf ist also offenbar riesig. Zudem haben drei Pflegeanbieter – der Pommersche Diakonieverein, der Pflegedienst Humboldt und das Unternehmen Kervita – bei der WAK nachgefragt, ob diese entsprechendes Personal ausbilden könne. Deshalb hat die Akademie gestern eine Schule eröffnet, in der Schüler zu examinierten Fachkräften werden. Von der Idee bis zum symbolischen Durchschneiden des roten Bandes vergingen gerade mal sechs Monate.
Medizinpädagogin Corinna Stefaniak (49) ist Leiterin der Pflegeschule und eine von zwei festen Lehrkräften. Inhalte werden auch von externen Dozenten vermittelt. „Wir unterrichten vier Lernfelder“, sagt Stefaniak und listet auf: „Naturwissenschaft, darunter fallen beispielsweise Anatomie und Physiologie. Dann Sozialwissenschaft, also Soziologie und Psychologie. Ein weiteres Lernfeld ist die Krankheitslehre einschließlich Pathologie sowie Politik und Recht.“
Die Ausbildung dauert drei Jahre. Großer Wert wird dabei auf die praktische Seite gelegt. Denn neben 2100 Theorie- müssen die Azubis auch 2400 Praxisstunden absolvieren. Dafür stehen die drei genannten Pflegeanbieter als Partner zur Seite. Zudem müssen die Schüler Praktika in Krankenhäusern der Region machen. Ein Alleinstellungsmerkmal der Schule, so Stefaniak, sei die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Alleinerziehenden: „Die Schule fängt erst um 8 Uhr an. Zusätzlich können für die praktischen Einheiten die Arbeitszeiten individuell gestaltet werden.“
Die ersten Schüler, die gestern gleich in den Unterricht begannen, haben bereits eine Berufsausbildung hinter sich, wollen oder können in dem Job aber nicht mehr weiter arbeiten. Um die Umschulung zum Altenpfleger zu finanzieren, können die Agentur für Arbeit per Bildungsgutschein, die Deutsche Rentenversicherung und der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr helfen. Nach drei Jahren und erfolgreichen mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfungen können die staatlich anerkannten Altenpfleger in stationärenundteilstationären Pflegeeinrichtungen und in Kliniken arbeiten.
Die Leiterin, die vorher in Berlin die Akademie der Gesundheit geleitet hatte, rechnet fest damit, dass sich die gesellschaftliche Wertschätzung und die Bezahlung im Pflegebereich – schon alleine wegen des Fachkräftemangels – verbessern werden. 70 Bewerber hatten sich für einen Platz an der WAK interessiert. „Wir hätten gerne mehr genommen“, sagt Leiterin Stefaniak.
Eine adäquate Schulbildung, bestenfalls Abitur, ein sauberes Führungszeugnis, die körperlichen Voraussetzungen seien nötig. „Und ein großes Herz“, fügt sie an. „Altenpflege ist kein Beruf, sondern eine Berufung.“ Sie selbst habe 20 Jahren in einer Notfallambulanz gearbeitet. „Wenn man helfen kann und es einem Menschen eine gute Lebensqualität ermöglichen kann, dann ist das der schönste Dank, den man sich vorstellen kann“, berichtet sie.


Kontakte

Altenpflegeschule der Wirtschaftsakademie Nord
0 38 34 / 88 59 60
www.wa-nord.de
Die Bewerbungsphase für den nächsten Lehrgang, der im April startet, läuft.

Berufsfachschule Greifswald
0 38 34 / 87 24 50
www.berufsfachschule-greifswald.de
Jährlich werden 15 oder mehr Schüler aufgenommen.

maxQ. Altenpflegeschule Greifswald
0 38 34 / 77 84 20
www.maxq.net
68 Teilnehmer insgesamt werden dort zu Altenpflegern geschult. Auch Helfer werden ausgebildet.